
Wann funktioniert eine Komödie? Natürlich bei jeder Menge Missverständnissen, die aus Notlügen entstehen, Verwechslungen oder gewollte Täuschung und andere Lebensweisen und Traditionen. Besonders gut damit umgehen kann das französische Kino, das ein weiteres Kleinod inszeniert hat: „Couscous und Geheimnisse“ bietet gleich alles zusammen, und lässt eine traditionelle algerische auf eine französische Familie treffen. Um die Verwirrung perfekt zu machen, kommt noch eine falsche Mutter dazu. Und eine schwangere Schwester.
Eigentlich war alles prima, wie es war, und so hätte es eine schöne Zeit werden können. Der junge algerische Koch Mehdi hat die Aussicht, zusammen mit seiner Freundin Léa, ein Restaurant zu übernehmen, sogar die Finanzierung steht schon. Er liebt seine Léa sehr und sie liebt ihn, doch endlich möchte sie Mehdis Familie kennenlernen. Wenn er die ihr weiterhin entzieht, will sie sich trennen. Doch Mehdis traditionelle Mutter Fatima plant, ihren perfekten algerischen Sohn mit einer algerischen jungen Frau zu verheiraten. Damit er sich nicht davor drücken kann, ist die ausgesuchte Braut schon da, als seine Mutter zuhause feiert. Mehdi steht zwischen allen Fronten und hat damit schon genügend Stress, da offenbart ihm seine Schwester Yasmine, dass sie von einem jungen Typen, den sie nicht mehr sehen will, schwanger ist und sie keine Ahnung hat, wie sie das der Mutter erklären soll. Viel komplizierter kann es kaum mehr kommen, denkt er sich, und kommt auf die wohl schlechteste Idee, die er nur haben kann: Er fragt seine gute Bekannte Souhila, in deren Bar er gerne einen Absacker nimmt, ob sie nicht die Rolle seiner Mutter übernehmen möchte, denn damit wären alle seine Probleme gelöst. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er mit seinen Lügen eine ganze Reihe an Missverständnissen lostritt, die ihn eher früher als später in höchst schwierige Situationen bringen, durch die er alles verlieren könnte. Ob er da wieder rauskommt?
Bei Couscous und Geheimnisse führte Amine Adjina Regie, der gemeinsam mit Fabien Gorgeart auch das Drehbuch schrieb. Diese Schlacht der Kulturen ist bestens besetzt bis in die Nebenrollen. Allen voran Younès Boucif, der den verliebten Koch Mehdi spielt und erst vor Kurzem beim Prix Lumière mit einer Nominierung als „Vielversprechendster Nachwuchsschauspieler" geehrt wurde. An seiner Seite ist Clara Bretheau als seine Freundin Léa zu sehen. Ergänzt wird das Ensemble unter anderem mit Hiam Abbass, die falsche Mutter, die sich in alles einmischt, und Malika Zerrouki als Mehdis echter Mutter Fatima. Dazu kommt Horya Benabet als Mehdis Schwester Yasemine.
Die Idee eines solchen Kultur-Clashs ist sicherlich nicht neu, immer wieder dürfen entfernte Kulturen auf traditionelle Familien treffen, wie bei den drei Erfolgsfilmen um „Monsieur Claude“. Doch „Couscous und Geheimnisse“ geht noch einen Schritt weiter, denn hier wird Mehdi bewusst gemacht, dass er sich längst von seiner algerischen Kultur entfernt hat, was schon bei seinem Essen beginnt, das seinen familiären Hintergrund überhaupt nicht widerspiegelt. Natürlich gibt es in diesem Film immer wieder irre und absurde Situationen, die bei einer solchen Geschichte unweigerlich auftauchen müssen, sei es der gemeinsame Bauchtanz im Zug, Mehdis Besuche bei seiner Familie oder die unverschämten Fragen der falschen Mutter an Léas Eltern nach ihrem Sexleben. Doch genau das macht diese sehr charmante Komödie aus und macht daraus ein Feelgood-Movie, das einen schönen Kinoabend beschert. Da freut man sich im Film schon auf die nächste kleine Notlüge, die mächtig schief geht, und vor allem, wie die ganze Geschichte denn ausgehen wird.
Mehdis kleine Küche, wie der Film übersetzt im Original heißt, startet in den deutschen Kinos genau zur richtigen Zeit, um auch in Open Air-Kinos gezeigt zu werden, was den Charme des Films nur noch erhöhen wird. Somit gibt es auch keine Ausrede, diesen Film wegen des schönen Wetters nicht sehen zu können oder verpassen zu müssen.
F 2025, 104 Minuten
mit Younès Boucif, Clara Bretheau, Hiam Abbass