Artikeldienst Online

Die Klippe

Ort ohne Weiderkehr

Die forensische Psychologin Karenza Bray lebt, seit ihre kleine Tochter auf tragische Weise ums Leben gekommen ist, zurückgezogen an der einsamen Küste von Cornwall. Für sie ist ihre Oma ihr Tor und Bindeglied zur Welt und Chamäleon Otto hilft ihr bei Entscheidungen. Von ihrem Ex-Mann, einem Staatsanwalt in Truro, dem Verwaltungssitz von Cornwall, wird sie eines Tages um Unterstützung gebeten. Eigentlich will sie erst ablehnen, doch es handelt sich um zwei traumatisierte Kinder einer Familie, die dringend Karenzas Hilfe brauchen. Ihr Ex- Mann weiß, wie gut sie in solchen Fällen ist, und deshalb willigt sie dann doch ein, sich diesem Fall anzunehmen. Es handelt sich um die zehnjährige Grace und deren fünfjährigen Bruder namens Solomon. Beide beschuldigen sich gegenseitig am Tod ihrer Mutter Schuld zu sein. Die wurde tot an der Steilküste aufgefunden, Todesursache unbekannt. Es dauert einige Zeit, bis die Kinder ihr etwas Vertrauen schenken, aber je mehr sie versucht, etwas herauszufinden, umso mehr zieht sie der rätselhafte Fall in den Bann. In dem so prächtigen Gutshaus der Familie von Grace und Solomon ist so einiges nicht normal. Solomon spricht mit Geistern, die er sieht, und Grace verhält sich irgendwie ebenfalls merkwürdig. Karenza vertraut voll und ganz auf die Wissenschaft, doch dann sieht und hört selbst sie in dem Gutshaus Dinge, die nicht da sein können. Aber Karenza gibt nicht auf und erfährt letztendlich über sich selbst Tatsachen aus der Vergangenheit, die sie bis jetzt nicht wusste.

Der Autor S.K. Tremayne, Jahrgang 1963, wurde in Devon geboren und lebt heute in London. Sein ursprünglicher Beruf als Reisejournalist bringt es mit sich, dass er die Schauplätze seiner Romane bestens kennt. Ihm gefällt es dort, wo normale Orte plötzlich bedrohlich werden und wo das Unheimliche ins Leben normaler Menschen tritt. Sein erster Thriller, „Eisige Schwestern“, wurde sofort zum Bestseller. Heute werden seine Bücher in dreißig Sprachen übersetzt. Mit „Die Klippe - Ort ohne Wiederkehr“ startet er seine erste Thrillerreihe.

Mit diesem Psychothriller ist dem Autor ein tolles Buch gelungen. Er versteht es, in den kurz gehaltenen 52 Kapiteln Spannung und Nervenkitzel aufzubauen und seine Leser neugierig zu machen. Geschickt kombiniert er die raue Natur Cornwalls mit dem für die Story wichtigen, einsamen, unheimlichen und geschichtsträchtigen Gutshaus. Man merkt, dass er es liebt, wenn geheimnisvolle Dinge im normalen Leben von Menschen passieren, und verarbeitet sie perfekt im Thriller. Durch seinen ursprünglichen Beruf bringt er natürlich zudem gute Ortskenntnisse mit, die ihm beim Schreiben überaus hilfreich sind. Tremayne gelingt es meisterhaft, mit der Grenze zwischen rationaler Erklärung und unheimlichen Spuk zu spielen, und so den Leser immer wieder aufs Neue zu überraschen. Er schafft so Stück für Stück eine bedrückende düstere Stimmung, die einem zunehmend unter die Haut geht. Als Leser ist man mehr als einmal hin und her gerissen, ob alles noch logisch erklärbar ist oder ob hier tatsächlich etwas Übernatürliches sein Unwesen treibt. Wer also düstere Geheimnisse, starke Psychothriller-Elemente und eine unheimliche, fast greifbare Geisterhausatmosphäre sucht, ist bei diesem Buch genau an der richtigen Stelle. Ich kann es deshalb für alle, die mysteriöse Spannung mit einer ordentlichen Portion Grusel lieben, uneingeschränkt empfehlen.

Andrea Müller
Weitere interessante Artikel